Frohes Neues Jahr Amigos!
Ich weiß, das kommt ein wenig spät, aber auch am 11. Januar ist das Jahr noch nicht sonderlich alt und da ich nicht vorher zum Blogschreiben gekommen bin, kommen die Neujahrsgrüße nun erst heute.
Hier eine kleine Auflistung von Sachen, die sich verändert haben oder demnächst verändern werden:
1. Die Arbeit wird beschäftingungsloser: Der Psychologe, der sonst immer unseren Stundenplan erstellt und damit auch unsere Aktivitäten koordiniert ha, ist z.Zt. in Urlaub und daher müssen wir uns auf eigene Faust Arbeit in der Aldea suchen. Kreative, verantwortungsvolle Arbeiten fallen deswegen aktuell flach.
Immerhin ist er ab dem 15. Januar wieder da, dann werden wir mal sehen wie es hier weitergeht...
2.Geldmangel: Ich bin aufgrund des Überfalls fürs erste ohne meine Visa Karte. Da diese zu einem deutschen Konto gehört, wird die neu beantragte Karte an meine deutsche Adresse geschickt. Meine Eltern bringen mir die Visa Karte dann aus Deutschland mit, wenn sie mich Ende Januar besuchen kommen, doch solange muss ich mit der Hälfte des Geldes auskommen, weil ich ohne Visa Karte natürlich keinen Zugriff auf mein deutsches Konto habe. Eine Überweisung auf mein peruanisches Konto hat sich als zu umständlich und teuer herausgestellt. Also heißt es bis dahin: Sparen und Geld leihen, um über die Runden zu kommen!
3. Umzug Nr. 2: Meine Gasteltern werden mit mir zum 15. Januar 2013 das alte Haus in der Banda räumen und bei dem Vater meiner Gastmutter einziehen. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Einsparung von Miete. Mein Gastvater ist seinen Job an der Universität Tarapoto zum Jahresende losgeworden und wird nun von seinem neuen Arbeitgeber schlechter bezahlt. Daher muss die Familie sich eine billigere Unterkunft suchen, weil das Haus in der Banda natürlich auch nur gemietet ist und die Miete recht hoch ist. Also sag ich schon bald Tschüss zu fast drei Monaten Banda und begrüße den Tarapotinischen Bezirk "Huayco" als meine neue Heimat. Der Umzug hat echt einige Vorteile:
3.1 Ich muss nicht mehr die dunklen und abends relativ gefährlichen Brücken überqueren,
die Richtung Banda führen
3.2 Mein Arbeitsweg mit dem Fahrrad ist kürzer und weniger anstregend (ohne Steigungen!). Obwohl man dies auch als Nachteil ansehen könnte, weil ich dadurch meine Kondition weniger trainiere. Andererseits komm ich nun nicht mehr ganz so nassgeschwitzt auf der Arbeit an.
3.3 Ich wohne nun sehr nah am Zentrum, ein Block von meinem Stammfitnessstudio und nur ein paar Blogs von meiner Lieblingsbäckerei bzw. den Fahrradwerkstätten entfernt.
3.4 Achso und außerdem wohne ich noch gegenüber von der "Clínica San Camilo", der vermeintlich besten Klinik Tarapotos. Zumindest ist es die teuerste und man sagt, dass dort die besten Ärzte der Region San Martin arbeiten.
Trotz zahlreicher Vorteile, bin ich doch ein wenig traurig, dass ab nächster Woche meine Zeit als "Bandino" (Einwohner der Banda de Shilcayo) zu Ende geht. Die Wohnsituation ist im Stadtzentrum doch um einiges weniger familiär und die Straßen sind eben stark befahren, sodass keine Kinder auf der Straße abends Fußball spielen und die Nachbarn nicht immer abends gemeinschftlich zusammensitzen. Diese Atmosphäre und die netten Nachbarn werde ich auf jeden Fall vermissen, auch wenn durch meinen Umzug natürlich einige Gefahren wegfallen.
4. Meine Eltern kommen mich demnächst besuchen und kurz danach geht es dann auch für mich in Urlaub. Chile, mein gelobtes Land erwartet meinen Besuch. =)
Lange ist's hier, dass ich das letzte Mal dort war. Im Januar 2005, also vor ziemlich genau 8 Jahren, bin ich mit meinem Vater zum 70. Geburtstag meines Großvaters nach Chile gereist und musste mir dafür extra eine Woche Schule freinehmen. Ich war damals nach ein Grundschüler der 5. Klasse.
Ihr könnte euch also vorstellen, dass meine Erinnerungen an mein zweites Heimatland nicht mehr sonderlich stark sind, aber die die ich habe sind einfach wunderschön: Ein Ferienhaus am See, Avocadocreme en masse, Milo - Kakao und die wunderschönen Anden.
Für mich ist diese Reise auch fürs erste ein Befreiung aus der kaum noch auszuhaltenden tropischen Hitze in Tarapoto. ^^
So viel zum neuen Jahr allerseits.
Ich wünsche euch mal etwas Schnee und Winterkälte in Deutschland,
euer Rubén
Dienstag, 8. Januar 2013
Mittwoch, 26. Dezember 2012
Navidad en el Perú
Ich wollte mal zur Abwechslung einen etwas bilderlastigeren Blogeintrag schreiben, weil die letzten doch sehr textintensiv waren. Ich denke auch, dass sich Weihnachten viel leichter in Bildern ausdrücken lässt, als in Worten...
Das ist die "Plaza Mayor" (zentraler Platz) weihnachtlich geschmückt mit einem als Tannenbaum verkleideten Obelisken und einer riesigen Krippe.
In der Aldea gab es in der Vorweihnachtszeit mehrere "Chocolatadas". Dabei handelt es sich um Veranstaltungen, die von Außenstehenden (z.B. Banken, Studenten) für einen guten Zweck organisiert werden. Den Kindern werden Geschenke überreicht und es wird mit ihnen getanzt. Dabei erscheint auch häufig eine als "Weihnachtsmann" verkleidete Frau. Nach der Geschenkeübergabe werden die Kinder dann mit süßen Speisen verkostet...
Das wird dann bei Chocolatadas konsumiert: warmer Kakao mit einem "Panetón" (Das ist ein sehr süßer Hefekuchen, mit konfitierten Früchten und Rosinen gefüllt)
Ich hab mich dann auch mal an dem Panetón probiert. Wurde auch sehr lecker, nur außen hatte er eine sehr harte Kruste. Keine Ahnung wie man die wegkriegt. Vielleicht muss man ihn auf niedrigerer Hitze backen.
Diese Gradanzeige ist natürlich totaler Blödsinn. Wenns in Tarapoto mal wirklich "kalt" ist, dann sinkt die Temperatur auf eisigkalte 20 Grad. 0 Grad können die sich hier gar nicht vorstellen. Da die Temperatur in der Weihnachtszeit nochmal ansteigt, wird diese Gradanzeige umso utopischer.
In der Aldea gab es einen Wettbewerb zwischen den einzelnen Familien, wer sein Haus am schönsten weihnachtlich gestaltet. Der Familienkomplex(bestehend aus 2 Familien), der auf diesem Foto zu sehen ist hat diesen Wettbewerb gewonnen und darf nun zur Belohnung auf der Plaza mit dem Weihnachtsschlitten samt Weihnachtsmann fahren.
Hier bin ich mit der Familie "Afecto" zu sehen. Wir tanzen und singen zum Weihnachtslied "ronda de navidad". Neben dem Hausgestaltungswettbewerb gab es noch einen Gesangs- und Performancewettbewerb zwischen den Familien. Leider holten "wir" nur den zweiten Platz. Der Preis für die Gewinner dieses Wettbewerbs war ein Ausflug ins Kino.
Das Weihnachtsfest in meiner Gastfamilie
Das gabs bei uns zu Weihnachten: eine Art Schweinshaxe mit Maniok (eine Knolle mit kartoffelähnlichem Geschmack) und einem Salat bestehend aus Rote-Beete, Zwiebeln und Brokkoli.
Meine Gastschwester Diolita mit ihrem Weihnachtsgeschenk: Eine sprechende Puppe mit ihrem Baggi.
Jetzt aber wirklich und zwar von ganzem Herzen: Fröhliche Weihnachen euch allen, die ihr in Deutschland am Studieren seid. Fröhliche Weihnachten allen Familienangehörigen, die ihr dieses Jahr weit weg von mir gefeiert habt...und zu guter Letzt noch Fröhliche Weihnachten an alle Mitfreiwillige, die ihr auf der ganzen Welt verstreut eure Feiertage verbringt, sofern Weihnachten im jeweiligen Partnerland ein Feiertag ist. ^^
Frohes Fest !
Euer Rubén aus Tarapoto
Euer Rubén aus Tarapoto
Dienstag, 18. Dezember 2012
Das erste Unglück
Es fehlen nun wirklich nur noch ein paar Tage bis das Christkind vor der Tür steht und wenn ich euch jetzt frohe Weihnachten wünschen würde, wäre es gar nicht mehr so abwägig wie noch im November. Mittlerweile merke ich zwar, dass das peruanische Weihnachten vor der Tür steht, aber aufgrund eines Ereignisses am vergangenen Samstag/Sonntag bin ich alles andere als in Weihnachtsstimmung...
Es war Samstagabend. Wir, die Tarapotofreiwilligen haben den 19. Geburtstag von meiner Mitfreiwilligen Annika gefeiert, waren in einer megaleckeren Eisdiele und in einer Karaokebar, die den Namen "Calle 2" trägt. Soweit klingt der Abend eigentlich ganz gelungen und das war er auch bis zu dem Zeitpunkt, als wir um halb 3 aus der Karaokebar herauskamen und ich mich dazu entschied, die günstige Situation zu nutzen und nachhause zu gehen. Die Bar befand sich nämlich ganz in der Nähe von meinem Zuhause.
Also machte ich mich zu Fuß auf den Nachhauseweg, lief sorglos die Straße entlang ohne auch nur einen Gedanken an eine mögliche Gefahr zu verschwenden und wurde dann an der nächsten Straßenecke böse überrascht.
Man muss dazu sagen, dass ich in Tarapoto noch nichts besorgniserregendes gesehen habe und bis auf einen Taschendiebstahl, hatten wir Freiwillige hier auch noch keine Erfahrung mit Kriminalität gemacht. Daher bin ich etwas naiv nachts um halb drei durch das Drogenviertel Tarapotos gelaufen und dann passierte es...
Ich lief auf der menschverlassenen Straße bis diese eine Kurve machte. An dieser Stelle befand sich auch eine Treppe, die eine weiter oben gelegene Straße mit der Kurve verband. Diese Treppe sah ich einen jungen Mann oder vielleicht sogar einen Jugendlichen herunterlaufen, als ich an der Kurve angelangt war. Seine Schritte näherten sich meinen und ich hatte schon früh das Gefühl, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmte. Er schien hinter mir her zu sein.
Die Bestätigung bekam ich dann, als er kurze Zeit später eine Pistole zückte und sie drohend auf mich richtete. Paralysiert blieb ich auf der Stelle stehen und war völlig sprachlos. "Gib mir alles!", meinte er nur und hastig warf ich mein Portmonnaie und mein Handy vor ihm auf den Boden. Er befahl mir mich umzudrehen und wegzurennen und dabei rief er mir noch ein paar Beleidungen hinterher ("Concha tu madre!"). Ich war nun komplett blank und natürlich noch längst nicht zu Hause angekommen, die dunkelste Stelle lag sogar noch vor mir, also war der Horror natürlich noch nicht vorbei. Ich wollte nun so schnell wie möglich ankommen und rannte einfach so schnell ich konnte über die menschenleere, unbeleuchtete Brücke und danach dann den Berg hoch bis zu meiner Straße. Dort saßen noch ein paar Menschen auf der Straße und aßen Pommes, sodass ich mich so langsam wieder sicherer fühlte. Mit diesen älteren Herrschaften konnte ich mich auch noch ganz gut über die Geschehnisse austauschen, was mich wieder ein bisschen besser stimmte. Zum Glück war ich nach dem ganzen Tag so totmüde, dass ich keine Chance hatte, mich stundenlang mit dem Überfall zu beschäftigen.
Mittlerweile habe ich schon eine neue Kreditkarte von meiner peruanischen Bank bekommen und die Karte meiner deutschen Bank bestellt. Das Problem ist, dass auf meinem anderen Konto eben auch ne Menge Geld ist, auf dass ich dann keinen Zugriff haben werde. Mein gestohlenes Handy muss die nächsten Tage dann auch noch ersetzt werden, damit ich erstens wieder erreichbar bin und zweitens auch wieder einen ordentlichen Wecker habe. Aktuell bin ich vollständig abhängig von meinen Gasteltern, die mich jetzt erstmal wecken. Das klappt zwar gut, aber es ist eben kein Zustand für längere Zeit.
Auch hier gilt es am Ende zu schreiben, dass ich den Überfall vielleicht etwas schlimmer dargestellt habe, als er eigentlich war. Ich sollte es positiv sehen, dass mir nichts passieert ist und mich dieser Junge noch nicht einmal angefasst hat. Wahrscheinlich war die Pistole auch nicht echt, sondern nur ein Spielzeug oder irgendeine Imitation. Daher sollte sich auch nicht mein Bild von Tarapoto total verändern. Es ist hier immer noch nicht sonderlich gefährlich, aber es gibt eben einige Ecken, die man besonders mitten in der Nacht und vor allem in der Vorweihnachtszeit meiden sollte. In dieser Zeit steigt die Kriminalität nämlich immer an.
Also weiterhin: Macht euch keine Sorgen! Es geht mir hier wirklich gut, auch wenn mein Schreibstil vielleicht manchmal etwas in die andere Richtung abgleitet.
Daher grüßt Euch,
Euer Rubén
Es war Samstagabend. Wir, die Tarapotofreiwilligen haben den 19. Geburtstag von meiner Mitfreiwilligen Annika gefeiert, waren in einer megaleckeren Eisdiele und in einer Karaokebar, die den Namen "Calle 2" trägt. Soweit klingt der Abend eigentlich ganz gelungen und das war er auch bis zu dem Zeitpunkt, als wir um halb 3 aus der Karaokebar herauskamen und ich mich dazu entschied, die günstige Situation zu nutzen und nachhause zu gehen. Die Bar befand sich nämlich ganz in der Nähe von meinem Zuhause.
Also machte ich mich zu Fuß auf den Nachhauseweg, lief sorglos die Straße entlang ohne auch nur einen Gedanken an eine mögliche Gefahr zu verschwenden und wurde dann an der nächsten Straßenecke böse überrascht.
Man muss dazu sagen, dass ich in Tarapoto noch nichts besorgniserregendes gesehen habe und bis auf einen Taschendiebstahl, hatten wir Freiwillige hier auch noch keine Erfahrung mit Kriminalität gemacht. Daher bin ich etwas naiv nachts um halb drei durch das Drogenviertel Tarapotos gelaufen und dann passierte es...
Ich lief auf der menschverlassenen Straße bis diese eine Kurve machte. An dieser Stelle befand sich auch eine Treppe, die eine weiter oben gelegene Straße mit der Kurve verband. Diese Treppe sah ich einen jungen Mann oder vielleicht sogar einen Jugendlichen herunterlaufen, als ich an der Kurve angelangt war. Seine Schritte näherten sich meinen und ich hatte schon früh das Gefühl, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmte. Er schien hinter mir her zu sein.
Die Bestätigung bekam ich dann, als er kurze Zeit später eine Pistole zückte und sie drohend auf mich richtete. Paralysiert blieb ich auf der Stelle stehen und war völlig sprachlos. "Gib mir alles!", meinte er nur und hastig warf ich mein Portmonnaie und mein Handy vor ihm auf den Boden. Er befahl mir mich umzudrehen und wegzurennen und dabei rief er mir noch ein paar Beleidungen hinterher ("Concha tu madre!"). Ich war nun komplett blank und natürlich noch längst nicht zu Hause angekommen, die dunkelste Stelle lag sogar noch vor mir, also war der Horror natürlich noch nicht vorbei. Ich wollte nun so schnell wie möglich ankommen und rannte einfach so schnell ich konnte über die menschenleere, unbeleuchtete Brücke und danach dann den Berg hoch bis zu meiner Straße. Dort saßen noch ein paar Menschen auf der Straße und aßen Pommes, sodass ich mich so langsam wieder sicherer fühlte. Mit diesen älteren Herrschaften konnte ich mich auch noch ganz gut über die Geschehnisse austauschen, was mich wieder ein bisschen besser stimmte. Zum Glück war ich nach dem ganzen Tag so totmüde, dass ich keine Chance hatte, mich stundenlang mit dem Überfall zu beschäftigen.
Ich war auf der Straße und der Typ ist die Treppe links im Bild heruntergekommen
An dieser Stelle ist es dann passiert.
Mittlerweile habe ich schon eine neue Kreditkarte von meiner peruanischen Bank bekommen und die Karte meiner deutschen Bank bestellt. Das Problem ist, dass auf meinem anderen Konto eben auch ne Menge Geld ist, auf dass ich dann keinen Zugriff haben werde. Mein gestohlenes Handy muss die nächsten Tage dann auch noch ersetzt werden, damit ich erstens wieder erreichbar bin und zweitens auch wieder einen ordentlichen Wecker habe. Aktuell bin ich vollständig abhängig von meinen Gasteltern, die mich jetzt erstmal wecken. Das klappt zwar gut, aber es ist eben kein Zustand für längere Zeit.
Auch hier gilt es am Ende zu schreiben, dass ich den Überfall vielleicht etwas schlimmer dargestellt habe, als er eigentlich war. Ich sollte es positiv sehen, dass mir nichts passieert ist und mich dieser Junge noch nicht einmal angefasst hat. Wahrscheinlich war die Pistole auch nicht echt, sondern nur ein Spielzeug oder irgendeine Imitation. Daher sollte sich auch nicht mein Bild von Tarapoto total verändern. Es ist hier immer noch nicht sonderlich gefährlich, aber es gibt eben einige Ecken, die man besonders mitten in der Nacht und vor allem in der Vorweihnachtszeit meiden sollte. In dieser Zeit steigt die Kriminalität nämlich immer an.
Also weiterhin: Macht euch keine Sorgen! Es geht mir hier wirklich gut, auch wenn mein Schreibstil vielleicht manchmal etwas in die andere Richtung abgleitet.
Daher grüßt Euch,
Euer Rubén
Sonntag, 2. Dezember 2012
Von Weihnachten und einer peruanischen Käsefreundin
Der von Krankheiten übersähte November ist nun endlich zu Ende und die Adventszeit hat angefangen...
In Deutschland ist das ja bekanntermaßen ein ganz großes Ereignis, mit Weihnachtsmärkten, Adventskalender und jeder Menge Naschereien. Da ich an die deutschen Verhältnisse gewöhnt bin und sie auch ganz gerne mag, vermisse ich den ganzen Weihnachtstrubel im Ausland ganz schön, weil es dass es das in dieser Form in Peru nicht gibt.
Wie ich bereits in einem älteren Eintrag erwähnt hatte, gibt es hier natürlich nur künstliche Tannenbäume und das Klima passt für uns Europäer auch einfach gar nicht mit der Weihnachtszeit zusammen. Es ist hier weiterhin tierisch heiß, nach der Meinung einiger Einheimischer ist es sogar der heißeste Monat im Jahr, sodass Wintermäntel, Handschuhe und weitere Utensilien der Weihnachtsromantik komplett entfallen.
Trotzdem ist der zentrale Platz Tarapotos ganz schön mit künstlichen Tannenzweigen und einer großen Krippe geschmückt. Außerdem kann man von einem Weihnachtschlitten mitsamt dem Weihnachtsmann für 2 Soles (= 60 ct) einmal um die Plaza gefahren werde. Man sieht daran ganz gut, wie hier einige westliche Traditionen adaptiert wurden und mittlerweile auch in Peru Verbreitung finden. Auch wenn Tannenbäume eigentlich überhaupt nicht in die Tropen gehören, werden sie hier von vielen Leuten aufgestellt.
Ich möchte aber auch ein bisschen was von meinem aktuellen Leben in Tarapoto erzählen. Ich wohne bereits etwas über einen Monat in der Familie des Deutschprofessors Manuel Pérez Saurin. Mit ihm, seiner Frau und der dreijährigen Tochter komme ich einfach und problemlos klar. Unter der Woche sehen wir uns nur abends und morgens bei den Mahlzeiten. Wenn ich abends dann noch etwas Energie habe, rede ich mit meinen Gasteltern ein bisschen und/oder schaue mit ihnen zusammen "Yo Soy" im Fernsehen (Das ist eine peruanische Castingshow, wo die Teilnehmer Musiker/Bands imitieren müssen...vergleichbar mit DSDS).
Dienstags geht mein Gastvater mit seinen Freunden aus der Kirche immer auf einem Kunstrasenplatz Fußball spielen. Da sie erst um 10 Uhr abends loslegen und ich abends eigentlich immer sehr erschöpft bin, habe ich ihn bisher nur zweimal begleitet, aber eigentlich würde ich gerne häufiger mitgehen. Am Wochenende kochen wir dann manchmal zusammen oder sie laden mich ein, mit ihnen essen zu gehen oder an anderen Aktivitäten teilzunehmen.
Meine dreijährige Gastschwester ist einerseits etwas schüchtern, kann aber auch sehr fordernd und anspruchsvoll sein, was sich in folgendem Beispiel zeigen wird:
Ich saß draußen vor der Tür mit einem Käsebrot und hab ihr beim Spielen auf der Straße mit den Nachbarskindern zugeguckt. Plötzlich näherte sie sich mir und sagte ganz ohne Bedenken oder Hemmungen: "Quiero queso!(Ich will Käse!)". Ich brach ihr ein winziges Stückchen von meinem Käse ab und hielt es ihr hin, doch anstatt sich zu bedanken, sagte sie mit ihrer Babystimme: "No, quiero un pedazo más grande! (Nein, ich will ein größeres Stück!)". Innerlich war ich einerseits überrascht und musste andererseits lachen, weil ich dieses Verhalten so komisch und überraschend zugleich fand.
Später, als ich mich gerade mit ihrem Vater unterhielt, kam sie dann nochmal angelaufen und meinte zu ihrem Vater, dass sie Käse essen wolle. Er deutete auf mein noch nicht ganz aufgegessenes Brot und meinte: "Pregúntale a él, si te invita a un pedazito! (Frag ihn doch, ob er dir ein Stückchen abgibt)"
Daraufhin sagte sie ganz frech: "Lubén(Sie kann kein R aussprechen^^) invitame a tu queso! (Rubén, gib mir etwas von deinem Käse!)"
Diesem Imperativ fügte sie auf Anraten ihres Vaters dann noch ein "por favor" (bitte) hinzu und da ich ja ein freundlicher Mensch bin, hab ich mich dann bereit erklärt, ihr etwas abzugeben.
Ich hielt ihr meinen Teller hin und forderte sie auf, sich eine meiner Käsescheiben zu nehmen.
Sofort griff sie nach der allergrößten Scheibe. Mein Gastvater und ich brachen erstmal in Gelächter aus und dann teilte ich die größte Scheibe noch einmal durch zwei, damit mir noch ein bisschen von meinem Käsegenuss übrig blieb. ;)
Anhand dieser kleinen Geschichte sieht man meiner Meinung nach ganz gut, wie meine kleine Gastschwester tickt. Daher habe ich jetzt in Peru sowohl am Arbeitsplatz, als auch zu Hause mit Kindern zu tun. Auch wenn das zu Hause nochmal was ganz anderes ist...
Zu guter letzt sollte natürlich auch meine Arbeit in der Aldea Infantil nicht zu kurz kommen.
Ich hatte bereits geschrieben, dass ich hier auch ab und zu die Lehrerinnen im Unterricht unterstütze und den Kindern bei íhren Aufgaben helfe. Dazu sollte man sagen, dass ich dort meistens allerdings nur als Schüler teilnehme und dann gelegentlich Aufgaben mit meinen "Mitschülern" zusammen bearbeite. Selbst unterrichtet habe ich nur am Anfang gelegentlich in Religion. Es würde mir gefallen, dort ein wenig mehr zu machen und diese Gelegenheit könnte sich ergeben, weil die Nonne, die bis vor kurzem noch im Kinderdorf unterrichtet hat, mittlerweile wieder auf dem Weg in ihre kamerunische Heimat ist.
Zumindest haben wir uns einmal im Unterricht ganz zu meiner Freude mit Geografie beschäftigt, was ja bekanntlich einer meiner Lieblingsthemen ist. Dann sollten wir eine Karte von Peru mit den 30 Regionen zeichnen und diese dann noch bunt anmalen. Alle Kinder kamen an diesem Nachmittag zu mir und baten mich um Hilfe, weil sie es nicht schafften, die Regionen richtet einzuzeichnen.
Ich kam mir in dieser Situation auf jeden Fall hilfreich vor und war nicht mehr bloß eine "Dekoration des Klassenraumes". Naja gut, ganz so extrem ist es dann doch nicht, aber zumindest war der Tag echt gelungen.
Jetzt geht es nämlich erst einmal nach Lamas (20 min. von Tarapoto entfernt) zum ersten Zwischenseminar der Peru-Freiwilligen. Dort lernen wir auch noch die anderen Peru Freiwilligen kennen, die schon seit Juli an ihrem Einsatzort sind und die jetzt auch alle nach San Martín (also die Region, in der Tarapoto liegt) kommen. Ich freu mich schon drauf und bin gespannt was man sich so zu erzählen hat.
Das ist eine "Mazamora Morada" eine Art Pudding aus Lila-Mais und Maniokmehl. Da kommen dann noch Rosinen und Apfelstückchen rein. War lecker!
Es grüßt Euch,
euer Rubén!
Dienstag, 27. November 2012
Die Dengue-Zeit
Wenn man mal einen Blick auf meinen Blog geworfen hat, wird einem auffallen, dass meine Blogeinträge von Monat zu Monat abnehmen. Waren es im September noch 9 Einträge, so reduzierte sich diese Zahl im Oktober auf 5, um dann im November noch weiter auf bisher einen Eintrag abzufallen.
Nun mache ich mir deswegen natürlich keine Vorwürfe, sondern sehe es als eine relativ normale Entwicklung an.
Einerseits ist der Eifer am Anfang eines Aufenthalts immer besonders groß, weil ja alles neu und spannend für einen selbst ist. Und andererseits hat sich meine Wohnsituation auch Ende Oktober mit dem Auszug aus der Aldea erheblich verändert. Wenn ich jetzt Abends um 7 von der Arbeit nachhause komme, dann bin ich immer sehr kaputt und kann mich meistens nicht mehr dazu motivieren, einen neuen Eintrag anzufangen. Die Tatsache dass ich in letzter Zeit krank gewesen bin und dadurch mehr Zeit zu Hause verbracht habe, hat daran auch recht wenig geändert.
Gerade auf diesen Krankheitsverlauf möchte ich meinem neuen Posts eingehen...
Letzte Woche Montag hatte ich schon auf dem Weg zur Aldea gemerkt, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte. Als ich mit meinem Fahrrad den Berg hochfuhr, wurde mir auf einmal so schlapp, dass ich mich am liebsten danach auf den Bürgersteig gelegt hätte. Zumindest am Vormittag konnte ich dann auch noch meinen Stundenplan durchziehen. Ich half beim Schleifen und Bemahlen der neuen Aluminiumdächer und spielte mit den kleinen in der Früherziehung (also Kinder zwischen 2 und 5 Jahren). Doch dieses Spielen mit den Kindern schaffte mich enorm und ich sehnte mich mehr und mehr nach einem Bett.
Anfangs dachte ich, dieses matschige Befinden hinge nur mit den Medikamenten zusammen, die ich gegen meinen Tropenparasiten nehmen musste. Andere Freiwillige hatten von ähnlichen Problemen berichtet und daher hatte ich mich am Nachmittag erstmal ins Bett meines ehemaligen Zimmers gelegt, in der Hoffnung, mich dort ausruhen zu können. Doch als ich mich nach 2 Stunden wieder aufrichten wollte, brummte mein Kopf und mir wurde schwindelig. Eine Mitarbeiterin der "Aldea Infantil" hat dann bei mir Fieber gemessen und es kam raus, dass meine Temperatur mit 38.4 etwas erhöht war. Daher traf ich den Entschluss, zur Standardärztin zu gehen, die wir Freiwilligen immer aufsuchen, wenn wir gesundheitliche Probleme haben. Mittlerweile kennen mich die Angestellten dort auch schon sehr gut. =)
Im Wartezimmer fühlte ich mich dann so schlecht, dass selbst Sitzen für mich zur Qual wurde. Obwohl ich allerhand Skrupel hatte, mich im Wartezimmer einfach so hinzulegen, tat ich es, weil ich nicht mehr anders konnte. Die Ärztin war relativ ratlos, da meine Symptome wohl nicht besonders aussagekräftig waren. Totale Erschöpfung, Kopfschmerzen, Lust zu Erbrechen und Magenschmerzen. Am nächsten Tag sollte dann noch Durchfall dazukommen. Alles in allem: Es war eine Scheißsituation!
Als am Folgetag das Fieber auf 39 stieg, beschloss meine Gastfamilie, mich in eine Klinik zu einem ausgewiesenen Infektologen/Tropenmediziner zu schicken. Dieser ließ sofort ein Blutbild machen und das Ergebnis war aussagekräftig. Ich hatte Dengue-Fieber!
Für alle, die mit diesem Begriff nichts anfangen können, empfehle ich, sich einfach den Wikipediaartikel durchzulesen. Der sagt schon ziemlich viel über diese unangenehme Krankheit aus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Denguefieber
Auf jeden Fall musste ich daraufhin erstmal anderthalb Tage in einem peruanischen Krankenhaus verbringen, weil mein Körper total ausgetrocknet war. Ich wurde dann übern Tropf mit einer Kochsalzlösung versorgt. Trotzdem hielten meine Magenkrämpfe und Schwächezustände immer noch an. Das Bett war auch äußerst unbequem, ich hatte kein Kopfkissen und zusätzlich waren die Toiletten in einem desolaten hygienischen Zustand, was aus meiner Sicht gerade in einem Krankenhaus nicht sein dürfte. Aber man kann nunmal nicht die staatlichen Krankenhäuser Perus mit den Standards in deutschen Krankenhäusern vergleichen.
Also ich hoffe, dass den anderen Freiwilligen diese Erfahrung im peruanischen Krankenhaus erspart bleibt. Man nimmt nicht viel gutes daraus mit.
Zumindest konnte ich am zweiten Tag schon wieder nachhause gelassen werden, wo ich die Krankheit dann mit 5 Ruhetagen auskurieren sollte. Stück für Stück merkte ich, dass es mir langsam besser ging, auch wenn mir sportliche Betätigung weiterhin einiges abverlangte. Aber es ist nunmal ziemlich normal, dass man nach einer Krankheit nicht sofort einen Marathon laufen kann.
Mittlerweile bin ich gut eine Woche wieder am Arbeiten und ich würde meinen Zustand immer noch nicht als gesund bezeichnen. Trotzdem bin ich aktuell so glücklich, wie schon lange nicht mehr. In meiner Gastfamilie fühle ich mich wohl, meine Arbeitssituation ist zufriedenstellend und ich werde ja doch Tag für Tag gesünder.
Also insgesamt besteht kein Grund zur Sorge, auch wenn ich die Krankheit als sehr heftig und leidvoll beschrieben habe. Das war sie auch, aber mittlerweile geht es mir aber wie gesagt schon etwas besser.
in diesem Sinne...
noch keine Frohen Weihnachten :D
Nun mache ich mir deswegen natürlich keine Vorwürfe, sondern sehe es als eine relativ normale Entwicklung an.
Einerseits ist der Eifer am Anfang eines Aufenthalts immer besonders groß, weil ja alles neu und spannend für einen selbst ist. Und andererseits hat sich meine Wohnsituation auch Ende Oktober mit dem Auszug aus der Aldea erheblich verändert. Wenn ich jetzt Abends um 7 von der Arbeit nachhause komme, dann bin ich immer sehr kaputt und kann mich meistens nicht mehr dazu motivieren, einen neuen Eintrag anzufangen. Die Tatsache dass ich in letzter Zeit krank gewesen bin und dadurch mehr Zeit zu Hause verbracht habe, hat daran auch recht wenig geändert.
Gerade auf diesen Krankheitsverlauf möchte ich meinem neuen Posts eingehen...
Letzte Woche Montag hatte ich schon auf dem Weg zur Aldea gemerkt, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte. Als ich mit meinem Fahrrad den Berg hochfuhr, wurde mir auf einmal so schlapp, dass ich mich am liebsten danach auf den Bürgersteig gelegt hätte. Zumindest am Vormittag konnte ich dann auch noch meinen Stundenplan durchziehen. Ich half beim Schleifen und Bemahlen der neuen Aluminiumdächer und spielte mit den kleinen in der Früherziehung (also Kinder zwischen 2 und 5 Jahren). Doch dieses Spielen mit den Kindern schaffte mich enorm und ich sehnte mich mehr und mehr nach einem Bett.
Anfangs dachte ich, dieses matschige Befinden hinge nur mit den Medikamenten zusammen, die ich gegen meinen Tropenparasiten nehmen musste. Andere Freiwillige hatten von ähnlichen Problemen berichtet und daher hatte ich mich am Nachmittag erstmal ins Bett meines ehemaligen Zimmers gelegt, in der Hoffnung, mich dort ausruhen zu können. Doch als ich mich nach 2 Stunden wieder aufrichten wollte, brummte mein Kopf und mir wurde schwindelig. Eine Mitarbeiterin der "Aldea Infantil" hat dann bei mir Fieber gemessen und es kam raus, dass meine Temperatur mit 38.4 etwas erhöht war. Daher traf ich den Entschluss, zur Standardärztin zu gehen, die wir Freiwilligen immer aufsuchen, wenn wir gesundheitliche Probleme haben. Mittlerweile kennen mich die Angestellten dort auch schon sehr gut. =)
Im Wartezimmer fühlte ich mich dann so schlecht, dass selbst Sitzen für mich zur Qual wurde. Obwohl ich allerhand Skrupel hatte, mich im Wartezimmer einfach so hinzulegen, tat ich es, weil ich nicht mehr anders konnte. Die Ärztin war relativ ratlos, da meine Symptome wohl nicht besonders aussagekräftig waren. Totale Erschöpfung, Kopfschmerzen, Lust zu Erbrechen und Magenschmerzen. Am nächsten Tag sollte dann noch Durchfall dazukommen. Alles in allem: Es war eine Scheißsituation!
Als am Folgetag das Fieber auf 39 stieg, beschloss meine Gastfamilie, mich in eine Klinik zu einem ausgewiesenen Infektologen/Tropenmediziner zu schicken. Dieser ließ sofort ein Blutbild machen und das Ergebnis war aussagekräftig. Ich hatte Dengue-Fieber!
Für alle, die mit diesem Begriff nichts anfangen können, empfehle ich, sich einfach den Wikipediaartikel durchzulesen. Der sagt schon ziemlich viel über diese unangenehme Krankheit aus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Denguefieber
Auf jeden Fall musste ich daraufhin erstmal anderthalb Tage in einem peruanischen Krankenhaus verbringen, weil mein Körper total ausgetrocknet war. Ich wurde dann übern Tropf mit einer Kochsalzlösung versorgt. Trotzdem hielten meine Magenkrämpfe und Schwächezustände immer noch an. Das Bett war auch äußerst unbequem, ich hatte kein Kopfkissen und zusätzlich waren die Toiletten in einem desolaten hygienischen Zustand, was aus meiner Sicht gerade in einem Krankenhaus nicht sein dürfte. Aber man kann nunmal nicht die staatlichen Krankenhäuser Perus mit den Standards in deutschen Krankenhäusern vergleichen.
Also ich hoffe, dass den anderen Freiwilligen diese Erfahrung im peruanischen Krankenhaus erspart bleibt. Man nimmt nicht viel gutes daraus mit.
Zumindest konnte ich am zweiten Tag schon wieder nachhause gelassen werden, wo ich die Krankheit dann mit 5 Ruhetagen auskurieren sollte. Stück für Stück merkte ich, dass es mir langsam besser ging, auch wenn mir sportliche Betätigung weiterhin einiges abverlangte. Aber es ist nunmal ziemlich normal, dass man nach einer Krankheit nicht sofort einen Marathon laufen kann.
Mittlerweile bin ich gut eine Woche wieder am Arbeiten und ich würde meinen Zustand immer noch nicht als gesund bezeichnen. Trotzdem bin ich aktuell so glücklich, wie schon lange nicht mehr. In meiner Gastfamilie fühle ich mich wohl, meine Arbeitssituation ist zufriedenstellend und ich werde ja doch Tag für Tag gesünder.
Also insgesamt besteht kein Grund zur Sorge, auch wenn ich die Krankheit als sehr heftig und leidvoll beschrieben habe. Das war sie auch, aber mittlerweile geht es mir aber wie gesagt schon etwas besser.
in diesem Sinne...
noch keine Frohen Weihnachten :D
Freitag, 9. November 2012
La Vida Tarapotina
Und hier kommt der nächste Blogeintrag aus dem immer heißer werdenden Tarapoto :D
Auch wenn ich eigentlich nicht vorhabe, viel Erfahrungsberichte in diesen Eintrag zu packen, sollten ein paar Sachen zu Beginn gesagt werden. Die Aldea rüstet jetzt auf Weihnachtsdekoration um. Das heißt, dass künstliche Tannenbäume aufgestellt und geschmückt werden und andere künstliche Bäume mit Girlanden versehen werden, die an Schnee erinnern sollen. Ich persönlich merke dieses Jahr ziemlich wenig von der im November üblich aufkommenden Weihnachtsstimmung. Das liegt natürlich daran, dass es hier ununterbrochen heiß und grün wie eh und jeh ist. Als Europäer verbindet man mit Weihnachten einfach Kälte, dicke Wintermäntel und eigentlich auch Schnee (auch wenn letzteres nicht immer vorhanden ist), doch all das gibt es hier in den Tropen nunmal nicht. Für mich ist es auch kaum vorstellbar, dass Menschen in ihrem ganzen Leben noch kein einziges Mal Schnee gesehen habe. Da in Peru Schnee aber nur auf den Gipfeln der Anden zu finden ist, kriegen die "Selváticos" (Die Bewohner der Selva), die meistens im Tiefland zu Haus sind, in ihrem Leben nichts davon mit. Meine Gastmutter hat mir heute erzählt, dass sie Schnee eigentlich nur aus der Gefriertruhe kennt. Das fand ich irgendwie lustig.
Da hier auch keine Tannen wachsen, werden wenn überhaupt künstliche Tannenbäume in die Wohnungen gestellt und dann wie bei uns auch üblich, mit Christbaumkugeln geschmückt und mit elektrischen Lichterketten versehen, wenn diese nicht schon mit dem Baum zusammen verkauft wurden.
Aber eigentlich hab ich jetzt schon einen ganz guten Übergang zum eigentlichen Thema meines Blogeintrags gefunden...
Ich hatte mir schon länger vorgenommen, einen Artikel über die kleinen und großen Dinge im Alltag zu schreiben, die hier in Peru ganz anders sind als in Deutschland. Nun bedarf es erst einmal einer ausführlichen Vorbereitung und langen Nachdenkens, bis man ein solches Thema gut erfassen kann. Außerdem will ich hier natürlich auch nichts unnötig verallgemeinern, denn ich weiß, dass das sehr schnell passiert ohne dass man es selbst bemerkt. Ich kann z.B. auch nur über die Unterschiede zwischen Berlin und Tarapoto schreiben und nicht über die generellen Kulturunterschiede Peru - Deutschland, da es mir unmöglich erscheint, nur anhand der Erfahrungen jetzt in Tarapoto und vor 2 Jahren in Arequipa die ganze peruanische Kultur zu kennen. Es wäre anmaßend, das zu behaupten.
Peru ist extrem vielseitig und von Region zu Region haben die Menschen andere Vorlieben und Gewohnheiten, was auch immer mit den klimatischen Begebenheiten zu tun hat.
In Arequipa (also im Andenhochland) werden z.B. sehr viel mehr Kartoffeln und Süßkartoffeln gegessen, als in Tarapoto. Dafür konsumiert man hier Unmengen an Kochbananen, die ich in Arequipa nirgendwo gesehen habe. Das liegt natürlich daran, dass die hier wie Unkraut an jeder Straßenecke wachsen und im eher kühlen Hochland natürlich nicht. Man kann also nicht behaupten, der allgemeine Peruaner esse gerne Kochbananen, da das ja lediglich auf den "Selvático" zutrifft.
So viel also vorneweg...
Das erste, was mir aufgefallen ist, als ich aus dem Flughafen gekommen bin, war natürlich das heiß-feuchte tropische Klima, das auf einen zuströmt und einem ziemlich zu schaffen machen kann, wenn man es nicht gewöhnt ist. Als mich mein Vater dann im Oktober besuchte, merkte ich aber doch, dass sich meine Lunge so langsam an die Tropen angepasst hatte und ich deutlich mehr ertragen konnte als er. Nagut, vielleicht spielte die Tatsache, dass er, einen Jetlag von 7 Stunden Differenz hatte auch noch mit rein. ;)
Der erste signifikante Unterschied zu Berlin wurde mir dann jedoch klar, als wir das Fortbewegungsmittel sahen, das uns zu unserem Arbeitsplatz fahren sollte. Ein Motoradtaxi. Dabei handelt es sich um eine Art Anhänger auf zwei Rädern, in dem bis zu 3 Personen sitzen können und der von einem Motorrad gezogen wird.
Das ist hier das Fotbewegungsmittel Nr.1. Das heißt, wenn man kein eigenes Auto oder Motorrad hat, muss man entweder laufen oder sich ein Moto-taxi nehmen. Busse gibt es nur um in andere Städte zu gelangen, aber innerhalb der Stadt fahren keine Buslinien. Öffentliche Verkehrsmittel sind hier also nicht wirklich vorhanden.
Außerdem ist der Straßenverkehr sehr stark von Motorrädern geprägt. Autos sind hier wohl für die meistens Familien zu teuer oder bei der Hitze zu unpraktisch, also hat hier fast jeder sein eigenes Motorrad. Dieser starke individuelle Verkehr drückt sich auch in stark befahrenen Straßen im Stadtzentrum aus, wo es auch permanent laut und stinkig ist.
Fahrräder sind im Straßenverkehr übrigens Außenseiter. Kinder fahren mit ihren Rädern in den Nebenstraßen herum oder man betreibt das Fahrradfahren richtig als Sport, aber als Fortbewegungsmittel wird es hier nur von sehr wenigen Menschen genutzt. Ich gehöre mitterweile zu dieser kleinen Gruppe, auch wenn mir die permanenten Steigungen einiges abverlangen und ich manchmal nassgeschwitzt auf der Arbeit ankomme. Trotzdem find ich es super angenehm mit dem Fahrrad durch die Straßen zu brettern, weil man einfach so individuell in der Mobilität ist und nicht jedes Mal Geld fürs Moto-taxi zahlen muss. Der Verker ist auch nicht immer so gefähltich, wenn man weiß, welche Straßen man am besten fährt und im Zentrum ist sowieso an jeder Ecke eine Ampel, sodass die Motorräder gar nicht so schnell fahren können.
Lassen wir den Verkehr mal beiseite und widmen wir uns der Wohnsituation der "Tarapotinos", also der Bewohner Tarapotos. Dazu lässt sich erstmal sagen, dass ich nichts von dem, was ich gesehen habe besonders schlimm oder mitleiderregend finde.
Die Menschen leben hier grundsätzlich einfacher als in Deutschland, was sich an vielen Kleinigkeiten bemerkbar macht. Das Leitungswasser ist hier weder trinkbar, noch warm (was bei diesen heißen Temperaturen auch unsinnig wäre). Für die, die gerne warm duschen, wären die Tropen also nicht gerade anzuraten. Außerdem hat man als Deutscher gewöhnlicherweise auch die Erwartung, dass Wasser rund um die Uhr verfügbar sein muss. Das ist hier auch nicht der Fall. Von morgens bis 12 Uhr mittags gibt es Wasser. Dann wird das Wasser in der Zeit zwischen 12 und 4 Uhr abgestellt und kommt dann ab 4 wieder, um dann am Abend gegen 9 Uhr wieder abgedreht zu werden. Diese Zeiten können von Haus zu Haus natürlich variieren und gelten auch nicht für alle Haushalte. Die Mehrheit der Bevölkerung hat allerdings nicht den ganzen Tag fließend Wasser, was dazu führt, dass man in einem Eimer immer eine kleine Reserve für die Stunden ohne Wasser zurückstellt.
Des weiteren kann man sagen, dass die Haushalte hier einfacher ausgestattet sind. Zwar hat so gut wie jeder einen einigermaßen pasablen Fernseher und die meisten auch einen PC im Haus. Trotzdem fehlen bei den meisten Leuten Komfortmöbel wie z.B. Sofas oder Sessel, was natürlich auch daran liegt, dass man auf dem Stoff unheimlich schwitzen würde. Meine Gastfamilie hat z.B. lediglich einen Schaukelstuhl aus Stahl, versehen mit einer Kunststoffflechte.
Die Häuser liegen hier außerdem meistens sehr nah beinander und sind nicht sonderlich schalldicht, sodass man häufig laut hören kann, was der Nachbar für Musik hört oder welche Serie er sich gerade im Fernsehen anguckt. Glasfenster sind auch keine Selbstverständlichkeit und manchnmal hat man dann eben nur ein Moskitonetz als Fenster, was zwar vor Mücken aber nicht vor Lärm von der Straße schützt.
Laut meiner Gastfamilie lebe ich in einer der ruhigsten Ecken Tarapotos und es auch ist richtig, dass meine Straße (Jirón Miraflores, La Banda de Shilcayo), obwohl sie asfaltiert ist, relativ wenig befahren wird. Deswegen findet man hier abends auch sehr viele Fußball spielende Kinder auf der Straße, die bis spät in die Nacht draußen bleiben.
Um noch einmal auf den Punkt zurückzukommen, dass ich die Wohnsituation hier nicht so elendig finde. Dazu lässt sich sagen, dass natürlich viele Häuser hier nicht so gut verputzt sind, wie in Deutschland, die Türen einfacher zu knacken sind und darüber hinaus viele Häuser nur aus einem Stockwerk bestehen. Aber was ist daran so schlimm? Letzteres liegt auch daran, dass Peru Erdbebengebiet ist. Häuser werden extra nicht so hoch gebaut, weil sie schließlich bei einem starken Erdbeben einstürzen könnten.
Ich persönlich finde, dass es in Tarapoto nicht sonderlich große Unterschiede zwischen arm und reich gibt. Die Häuser der wohlhabenderen Schicht sind hier jetzt nicht wirklich edeler als ein Einfamilienhaus in Berlin-Blankenburg und die einfacheren Behausungen sind eben nicht so toll isoliert oder geschützt, aber mit Elend hat das auch nichts zu tun. Ich hab hier auch nur wenige Menschen getroffen, die sich über ihre Armut beschwert haben, aber gleichzeitig komme ich auch nicht mit Leuten in Kontakt, die über besonders viel Geld verfügen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich einfach nur keinen Zugang zu Menschen dieser "Klassenzugehörigkeit" habe, aber ich glaube ehrlich gesagt schon, dass die sozialen Unterschiede hier in Tarapoto (noch) nicht so groß sind wie z.B. in Arequipa oder anderen größeren Städten Perus. Aber vielleicht kommt das noch in Zukunft...
Zum Abschluss noch was anderes...
Damit ihr euch vorstellen könnt wie heiß es hier ist, wollt ich schon längst mal ein paar Gradzahlen in meinen Blog schreiben. Da ich hier aber noch kein Thermometer gesehen habe, konnte ich da allerdings noch keine Angaben machen. Gestern hatte ein jedoch ein Freund meines Gastvaters sein IPad mit (ja, sowas gibt es hier auch ^^) und dort wurde natürlich auch die aktuelle Temperatur angezeigt. Um halb 8 abends, also anderthalb Stunden nachdem die Sonne untergegangen war, waren es immer noch 31°C!
Tagsüber mussten es über 35 °C im Schatten gewesen sein und es war beileibe nicht der heißeste Tag hier in Tarapoto!
In diesem Sinne... Frohe Weihnachten!
Euer Rubén
Auch wenn ich eigentlich nicht vorhabe, viel Erfahrungsberichte in diesen Eintrag zu packen, sollten ein paar Sachen zu Beginn gesagt werden. Die Aldea rüstet jetzt auf Weihnachtsdekoration um. Das heißt, dass künstliche Tannenbäume aufgestellt und geschmückt werden und andere künstliche Bäume mit Girlanden versehen werden, die an Schnee erinnern sollen. Ich persönlich merke dieses Jahr ziemlich wenig von der im November üblich aufkommenden Weihnachtsstimmung. Das liegt natürlich daran, dass es hier ununterbrochen heiß und grün wie eh und jeh ist. Als Europäer verbindet man mit Weihnachten einfach Kälte, dicke Wintermäntel und eigentlich auch Schnee (auch wenn letzteres nicht immer vorhanden ist), doch all das gibt es hier in den Tropen nunmal nicht. Für mich ist es auch kaum vorstellbar, dass Menschen in ihrem ganzen Leben noch kein einziges Mal Schnee gesehen habe. Da in Peru Schnee aber nur auf den Gipfeln der Anden zu finden ist, kriegen die "Selváticos" (Die Bewohner der Selva), die meistens im Tiefland zu Haus sind, in ihrem Leben nichts davon mit. Meine Gastmutter hat mir heute erzählt, dass sie Schnee eigentlich nur aus der Gefriertruhe kennt. Das fand ich irgendwie lustig.
Da hier auch keine Tannen wachsen, werden wenn überhaupt künstliche Tannenbäume in die Wohnungen gestellt und dann wie bei uns auch üblich, mit Christbaumkugeln geschmückt und mit elektrischen Lichterketten versehen, wenn diese nicht schon mit dem Baum zusammen verkauft wurden.
Aber eigentlich hab ich jetzt schon einen ganz guten Übergang zum eigentlichen Thema meines Blogeintrags gefunden...
Ich hatte mir schon länger vorgenommen, einen Artikel über die kleinen und großen Dinge im Alltag zu schreiben, die hier in Peru ganz anders sind als in Deutschland. Nun bedarf es erst einmal einer ausführlichen Vorbereitung und langen Nachdenkens, bis man ein solches Thema gut erfassen kann. Außerdem will ich hier natürlich auch nichts unnötig verallgemeinern, denn ich weiß, dass das sehr schnell passiert ohne dass man es selbst bemerkt. Ich kann z.B. auch nur über die Unterschiede zwischen Berlin und Tarapoto schreiben und nicht über die generellen Kulturunterschiede Peru - Deutschland, da es mir unmöglich erscheint, nur anhand der Erfahrungen jetzt in Tarapoto und vor 2 Jahren in Arequipa die ganze peruanische Kultur zu kennen. Es wäre anmaßend, das zu behaupten.
Peru ist extrem vielseitig und von Region zu Region haben die Menschen andere Vorlieben und Gewohnheiten, was auch immer mit den klimatischen Begebenheiten zu tun hat.
In Arequipa (also im Andenhochland) werden z.B. sehr viel mehr Kartoffeln und Süßkartoffeln gegessen, als in Tarapoto. Dafür konsumiert man hier Unmengen an Kochbananen, die ich in Arequipa nirgendwo gesehen habe. Das liegt natürlich daran, dass die hier wie Unkraut an jeder Straßenecke wachsen und im eher kühlen Hochland natürlich nicht. Man kann also nicht behaupten, der allgemeine Peruaner esse gerne Kochbananen, da das ja lediglich auf den "Selvático" zutrifft.
So viel also vorneweg...
Das erste, was mir aufgefallen ist, als ich aus dem Flughafen gekommen bin, war natürlich das heiß-feuchte tropische Klima, das auf einen zuströmt und einem ziemlich zu schaffen machen kann, wenn man es nicht gewöhnt ist. Als mich mein Vater dann im Oktober besuchte, merkte ich aber doch, dass sich meine Lunge so langsam an die Tropen angepasst hatte und ich deutlich mehr ertragen konnte als er. Nagut, vielleicht spielte die Tatsache, dass er, einen Jetlag von 7 Stunden Differenz hatte auch noch mit rein. ;)
Der erste signifikante Unterschied zu Berlin wurde mir dann jedoch klar, als wir das Fortbewegungsmittel sahen, das uns zu unserem Arbeitsplatz fahren sollte. Ein Motoradtaxi. Dabei handelt es sich um eine Art Anhänger auf zwei Rädern, in dem bis zu 3 Personen sitzen können und der von einem Motorrad gezogen wird.
Das ist hier das Fotbewegungsmittel Nr.1. Das heißt, wenn man kein eigenes Auto oder Motorrad hat, muss man entweder laufen oder sich ein Moto-taxi nehmen. Busse gibt es nur um in andere Städte zu gelangen, aber innerhalb der Stadt fahren keine Buslinien. Öffentliche Verkehrsmittel sind hier also nicht wirklich vorhanden.
Außerdem ist der Straßenverkehr sehr stark von Motorrädern geprägt. Autos sind hier wohl für die meistens Familien zu teuer oder bei der Hitze zu unpraktisch, also hat hier fast jeder sein eigenes Motorrad. Dieser starke individuelle Verkehr drückt sich auch in stark befahrenen Straßen im Stadtzentrum aus, wo es auch permanent laut und stinkig ist.
Fahrräder sind im Straßenverkehr übrigens Außenseiter. Kinder fahren mit ihren Rädern in den Nebenstraßen herum oder man betreibt das Fahrradfahren richtig als Sport, aber als Fortbewegungsmittel wird es hier nur von sehr wenigen Menschen genutzt. Ich gehöre mitterweile zu dieser kleinen Gruppe, auch wenn mir die permanenten Steigungen einiges abverlangen und ich manchmal nassgeschwitzt auf der Arbeit ankomme. Trotzdem find ich es super angenehm mit dem Fahrrad durch die Straßen zu brettern, weil man einfach so individuell in der Mobilität ist und nicht jedes Mal Geld fürs Moto-taxi zahlen muss. Der Verker ist auch nicht immer so gefähltich, wenn man weiß, welche Straßen man am besten fährt und im Zentrum ist sowieso an jeder Ecke eine Ampel, sodass die Motorräder gar nicht so schnell fahren können.
Lassen wir den Verkehr mal beiseite und widmen wir uns der Wohnsituation der "Tarapotinos", also der Bewohner Tarapotos. Dazu lässt sich erstmal sagen, dass ich nichts von dem, was ich gesehen habe besonders schlimm oder mitleiderregend finde.
Die Menschen leben hier grundsätzlich einfacher als in Deutschland, was sich an vielen Kleinigkeiten bemerkbar macht. Das Leitungswasser ist hier weder trinkbar, noch warm (was bei diesen heißen Temperaturen auch unsinnig wäre). Für die, die gerne warm duschen, wären die Tropen also nicht gerade anzuraten. Außerdem hat man als Deutscher gewöhnlicherweise auch die Erwartung, dass Wasser rund um die Uhr verfügbar sein muss. Das ist hier auch nicht der Fall. Von morgens bis 12 Uhr mittags gibt es Wasser. Dann wird das Wasser in der Zeit zwischen 12 und 4 Uhr abgestellt und kommt dann ab 4 wieder, um dann am Abend gegen 9 Uhr wieder abgedreht zu werden. Diese Zeiten können von Haus zu Haus natürlich variieren und gelten auch nicht für alle Haushalte. Die Mehrheit der Bevölkerung hat allerdings nicht den ganzen Tag fließend Wasser, was dazu führt, dass man in einem Eimer immer eine kleine Reserve für die Stunden ohne Wasser zurückstellt.
Des weiteren kann man sagen, dass die Haushalte hier einfacher ausgestattet sind. Zwar hat so gut wie jeder einen einigermaßen pasablen Fernseher und die meisten auch einen PC im Haus. Trotzdem fehlen bei den meisten Leuten Komfortmöbel wie z.B. Sofas oder Sessel, was natürlich auch daran liegt, dass man auf dem Stoff unheimlich schwitzen würde. Meine Gastfamilie hat z.B. lediglich einen Schaukelstuhl aus Stahl, versehen mit einer Kunststoffflechte.
Die Häuser liegen hier außerdem meistens sehr nah beinander und sind nicht sonderlich schalldicht, sodass man häufig laut hören kann, was der Nachbar für Musik hört oder welche Serie er sich gerade im Fernsehen anguckt. Glasfenster sind auch keine Selbstverständlichkeit und manchnmal hat man dann eben nur ein Moskitonetz als Fenster, was zwar vor Mücken aber nicht vor Lärm von der Straße schützt.
Um noch einmal auf den Punkt zurückzukommen, dass ich die Wohnsituation hier nicht so elendig finde. Dazu lässt sich sagen, dass natürlich viele Häuser hier nicht so gut verputzt sind, wie in Deutschland, die Türen einfacher zu knacken sind und darüber hinaus viele Häuser nur aus einem Stockwerk bestehen. Aber was ist daran so schlimm? Letzteres liegt auch daran, dass Peru Erdbebengebiet ist. Häuser werden extra nicht so hoch gebaut, weil sie schließlich bei einem starken Erdbeben einstürzen könnten.
Ich persönlich finde, dass es in Tarapoto nicht sonderlich große Unterschiede zwischen arm und reich gibt. Die Häuser der wohlhabenderen Schicht sind hier jetzt nicht wirklich edeler als ein Einfamilienhaus in Berlin-Blankenburg und die einfacheren Behausungen sind eben nicht so toll isoliert oder geschützt, aber mit Elend hat das auch nichts zu tun. Ich hab hier auch nur wenige Menschen getroffen, die sich über ihre Armut beschwert haben, aber gleichzeitig komme ich auch nicht mit Leuten in Kontakt, die über besonders viel Geld verfügen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich einfach nur keinen Zugang zu Menschen dieser "Klassenzugehörigkeit" habe, aber ich glaube ehrlich gesagt schon, dass die sozialen Unterschiede hier in Tarapoto (noch) nicht so groß sind wie z.B. in Arequipa oder anderen größeren Städten Perus. Aber vielleicht kommt das noch in Zukunft...
Zum Abschluss noch was anderes...
Damit ihr euch vorstellen könnt wie heiß es hier ist, wollt ich schon längst mal ein paar Gradzahlen in meinen Blog schreiben. Da ich hier aber noch kein Thermometer gesehen habe, konnte ich da allerdings noch keine Angaben machen. Gestern hatte ein jedoch ein Freund meines Gastvaters sein IPad mit (ja, sowas gibt es hier auch ^^) und dort wurde natürlich auch die aktuelle Temperatur angezeigt. Um halb 8 abends, also anderthalb Stunden nachdem die Sonne untergegangen war, waren es immer noch 31°C!
Tagsüber mussten es über 35 °C im Schatten gewesen sein und es war beileibe nicht der heißeste Tag hier in Tarapoto!
In diesem Sinne... Frohe Weihnachten!
Euer Rubén
Dienstag, 30. Oktober 2012
Umgezogen und gleich krank
Hey Leute,
ich hab ja jetzt schon etwas länger nichts mehr gepostet. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich in letztet Zeit so viel zu tun hatte und dadurch keine Zeit mehr zum Schreiben finden konnte. Das war nämlich eigentlich eher umgekehrt der Fall. Entweder war die Lust einfach nicht da oder ich hatte eben zu der Zeit den Kopf mit anderen Dingen voll, die mich belastet haben. Aber kommen wir zum Wesentlichen, schließlich gibt es viel zu erzählen...
In meinem letzten Post habe ich ja schon angedeutet, dass Sophie und ich in nächster Zeit aus unserer wenig bequemen Behausung in der Aldea ausziehen werden. Mir waren die Ameisen einfach zu viel, die sich auf jede Art von Lebensmitteln und schmutziger Wäsche schmeißen und beim entfernen eine äußerst schmerzhafte Säure ausstoßen. Außerdem war die Wohnsituation nicht wirklich bequem und damit meine ich nicht nur die hauchdünne Matratze, sondern auch die Tatsache, dass wir immer rund um die Uhr von den Mitarbeitern der Aldea in Anspruch genommen werden konnten. Die Privatssphäre war natürlich auch erheblich eingeschränkt.
Nun ja, jetzt lebe ich seit ein paar Tage bei einem Deutschprofessor und seiner noch jungen Familie.
Sie besitzen ein kleines Haus mit einem Tante-Emmaladen, der der Frau gehört. Bisher erscheint mir die Wohnsituation ziemlich optimal und harmonisch. Die Familie ist supernett und offen, ich kann mich super mit ihnen unterhalten, was vielleicht auch daran liegt, dass mein Spanisch mittlweile sehr gut geworden ist und ich kann Ein- und Ausgehen wann ich will. Natürlich hat mich der Deutschprofessor u.a. auch deshalb so gerne aufgenommen, weil er sich erhofft ein bisschen besser deutsch von mir zu lernen. Trotzdem würde er mich jetzt nie zu einer bestimmten Uhrzeit dazu zwingen, mit ihm auf deutsch zu sprechen. Es existiert also kein Zwang. Das einzige, an das ich mich vielleicht noch gewöhnen muss, ist dass die Familie hier streng religiös ist. Das bedeutet hier, dass sie nicht katholisch sind, sondern einer "iglesia evangélica" angehören. Von dieser Art von Kirchen hab ich ja schon in einem anderen Post geschrieben und muss das jetzt nicht nochmal genauer ausführen.
Ich war also gestern das erste Mal in Peru beim Arzt und hab mich untersuchen lassen. In der Stuhlprobe wurde dann der Parasit nachgewiesen, den bisher fast alle Freiwillgen in Tarapoto schon gehabt haben. Sozusagen war ich noch der letzte Standhafte vor Ort, der dem Parasiten Widerstand leisten konnte. Doch nun hats mich auch erwischt.
Lustigerweise geht es meinem Magen schon deutlich besser nachdem ich die Medikamente geschluckte habe, die Erkältung hingegen macht mir mehr zu schaffen. Husten, Schnupfen gepaart mit Halsschmerzen in den Tropen ist nicht gerade eine angenehme Sache. Schließlich ist es eigentlich die ganze Zeit heiß, aber gerade das ist das gefährliche, wenn man dann nachts dünnbekleidet einschläft und es am nächsten Morgen deutlich kühler geworden ist. Andererseits möchte man ja auch nicht bei über 30 Grad mit einem Schal in der Gegend rumrennen oder ständig heiße Getränke zu sich nehmen.
Doch wie kam diese Krankheit zu stande? Ich muss ehrlich sagen, ich weiß es nicht genau.
Am Wochenende waren Sophie und ich mit ihrer zukünftigen Gastschwester, einer peruanischen Deutschstudentin, in Moyobamba und haben uns von ihrer Familie schön durchfüttern lassen. Die Mutter konnte supergut kochen und hat uns zur Begrüßung erstmal einen Teller "Tallarín verde" (=grüne Nudeln...dabei handelt es sich um Nudeln in einer Art Spinat-Milch Soße, die ein bisschen an Pesto erinnert. Dazu wird meistens ein Rindersteak gereicht) gezaubert. Da dieses Essen allerdings hausgemacht war, sollte mir das keine Probleme bereitet haben. Der Parasit wird darüber hinaus vor allem über das Leitungswasser übertragen, doch auch das habe ich nicht getrunken. Also kann ich echt nicht sagen, was ausschlaggebend für meine Probleme gewesen sein kann.
Die Erkältung kam wohl einfach daher, dass ich die Sensibilität meines Halsesunterschätzt habe, als wir am Wochenende nach Moyobamba gefahren sind und ich keinen Schal eingesteckt habe. Sofort war das Kratzen da und dies sollte sich dann schön weiterentwickeln. Also habe bin ich hier mit Hustensaft, Eukalyptusinhalation und Vitamintabletten genügend versorgt, sodass ich mich hoffentlich bald wieder rekuperieren kann.
Diese Woche wird auf jedenfall in jeder Hinsicht spannend, weil sich meine Arbeitssituation erheblich verändert und es abzuwarten bleibt, wie die Angestellten und die Mütter der Aldea mit unseren neuen Arbeitszeiten klarkommen. Insofern kann es dort auch bald zu einigen Streitereien oder eher Ungereimtheiten kommen. Denn Probleme werden hier sehr selten angesprochen...
Es grüßt euch euer Rubén
ich hab ja jetzt schon etwas länger nichts mehr gepostet. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich in letztet Zeit so viel zu tun hatte und dadurch keine Zeit mehr zum Schreiben finden konnte. Das war nämlich eigentlich eher umgekehrt der Fall. Entweder war die Lust einfach nicht da oder ich hatte eben zu der Zeit den Kopf mit anderen Dingen voll, die mich belastet haben. Aber kommen wir zum Wesentlichen, schließlich gibt es viel zu erzählen...
In meinem letzten Post habe ich ja schon angedeutet, dass Sophie und ich in nächster Zeit aus unserer wenig bequemen Behausung in der Aldea ausziehen werden. Mir waren die Ameisen einfach zu viel, die sich auf jede Art von Lebensmitteln und schmutziger Wäsche schmeißen und beim entfernen eine äußerst schmerzhafte Säure ausstoßen. Außerdem war die Wohnsituation nicht wirklich bequem und damit meine ich nicht nur die hauchdünne Matratze, sondern auch die Tatsache, dass wir immer rund um die Uhr von den Mitarbeitern der Aldea in Anspruch genommen werden konnten. Die Privatssphäre war natürlich auch erheblich eingeschränkt.
Nun ja, jetzt lebe ich seit ein paar Tage bei einem Deutschprofessor und seiner noch jungen Familie.
Sie besitzen ein kleines Haus mit einem Tante-Emmaladen, der der Frau gehört. Bisher erscheint mir die Wohnsituation ziemlich optimal und harmonisch. Die Familie ist supernett und offen, ich kann mich super mit ihnen unterhalten, was vielleicht auch daran liegt, dass mein Spanisch mittlweile sehr gut geworden ist und ich kann Ein- und Ausgehen wann ich will. Natürlich hat mich der Deutschprofessor u.a. auch deshalb so gerne aufgenommen, weil er sich erhofft ein bisschen besser deutsch von mir zu lernen. Trotzdem würde er mich jetzt nie zu einer bestimmten Uhrzeit dazu zwingen, mit ihm auf deutsch zu sprechen. Es existiert also kein Zwang. Das einzige, an das ich mich vielleicht noch gewöhnen muss, ist dass die Familie hier streng religiös ist. Das bedeutet hier, dass sie nicht katholisch sind, sondern einer "iglesia evangélica" angehören. Von dieser Art von Kirchen hab ich ja schon in einem anderen Post geschrieben und muss das jetzt nicht nochmal genauer ausführen.
Mein neues Zimmer mit einer schickbemalten Wand
Das Haus von draußen (rechts ist die Bodega)
Die Eingangstür
z.Zt. bin ich leider "etwas" krank, was bedeutet, dass ich erkältet bin und mir zusätzlich noch einen Parasiten namens Giardie eingefangen hab. Das ist auch mehr oder weniger der Grund, warum ich jetzt wieder zum Postschreiben gekommen bin, denn was gibt es langweiligeres als krank sein. Man kann ja eigentlich nichts machen, außer vielleicht Fernsehen gucken und auf dem Bett liegen. Dadurch dass ich Magenprobleme habe/hatte kann ich ja auch nichts wirklich leckeres essen und das schränkt natürlich das Wohlbefinden auch ein bisschen ein. Ich war also gestern das erste Mal in Peru beim Arzt und hab mich untersuchen lassen. In der Stuhlprobe wurde dann der Parasit nachgewiesen, den bisher fast alle Freiwillgen in Tarapoto schon gehabt haben. Sozusagen war ich noch der letzte Standhafte vor Ort, der dem Parasiten Widerstand leisten konnte. Doch nun hats mich auch erwischt.
Lustigerweise geht es meinem Magen schon deutlich besser nachdem ich die Medikamente geschluckte habe, die Erkältung hingegen macht mir mehr zu schaffen. Husten, Schnupfen gepaart mit Halsschmerzen in den Tropen ist nicht gerade eine angenehme Sache. Schließlich ist es eigentlich die ganze Zeit heiß, aber gerade das ist das gefährliche, wenn man dann nachts dünnbekleidet einschläft und es am nächsten Morgen deutlich kühler geworden ist. Andererseits möchte man ja auch nicht bei über 30 Grad mit einem Schal in der Gegend rumrennen oder ständig heiße Getränke zu sich nehmen.
Doch wie kam diese Krankheit zu stande? Ich muss ehrlich sagen, ich weiß es nicht genau.
Am Wochenende waren Sophie und ich mit ihrer zukünftigen Gastschwester, einer peruanischen Deutschstudentin, in Moyobamba und haben uns von ihrer Familie schön durchfüttern lassen. Die Mutter konnte supergut kochen und hat uns zur Begrüßung erstmal einen Teller "Tallarín verde" (=grüne Nudeln...dabei handelt es sich um Nudeln in einer Art Spinat-Milch Soße, die ein bisschen an Pesto erinnert. Dazu wird meistens ein Rindersteak gereicht) gezaubert. Da dieses Essen allerdings hausgemacht war, sollte mir das keine Probleme bereitet haben. Der Parasit wird darüber hinaus vor allem über das Leitungswasser übertragen, doch auch das habe ich nicht getrunken. Also kann ich echt nicht sagen, was ausschlaggebend für meine Probleme gewesen sein kann.
Der "Tallarín verde", der mir definitiv nicht die Bauchschmerzen beschert hat
Diese Pizza Hawai wars wohl auch nicht
Die Erkältung kam wohl einfach daher, dass ich die Sensibilität meines Halsesunterschätzt habe, als wir am Wochenende nach Moyobamba gefahren sind und ich keinen Schal eingesteckt habe. Sofort war das Kratzen da und dies sollte sich dann schön weiterentwickeln. Also habe bin ich hier mit Hustensaft, Eukalyptusinhalation und Vitamintabletten genügend versorgt, sodass ich mich hoffentlich bald wieder rekuperieren kann.
Diese Woche wird auf jedenfall in jeder Hinsicht spannend, weil sich meine Arbeitssituation erheblich verändert und es abzuwarten bleibt, wie die Angestellten und die Mütter der Aldea mit unseren neuen Arbeitszeiten klarkommen. Insofern kann es dort auch bald zu einigen Streitereien oder eher Ungereimtheiten kommen. Denn Probleme werden hier sehr selten angesprochen...
Es grüßt euch euer Rubén
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